Ein neuer Besucherrekord, einen „Traum von Frühling“ aus dem Gastland Norwegen, glückliche Preisträger aber auch Besorgnis über die politische Großwetterlage und die zukünftige Rolle der künstlichen Intelligenz: Die Leipziger Buchmesse bot in diesem Jahr längst nicht nur literarische Entdeckungen, sie war Schauplatz großer Debatten und spiegelte den Umbruch – auch was die Buchbranche selbst betrifft. Wir sprechen über unsere Eindrücke und Begegnungen und stellen einige der interessantesten Bücher des Frühjahrs vor.
"Atom" hat Stephen Kopetzky seinen neuen Roman über den Wettlauf der Supermächte um die Raketentechnik im zweiten Weltkrieg genannt. Wir sprechen mit Steffen Kopetzky über literarische Bezüge und erschreckende Parallelen ins Hier und Jetzt. Die Französin Colette Andris kam aus bestem Hause. Dass sie allerdings als erste Nackttänzerin berühmt und ihr stark autobiographisch eingefärbtes Buch "Die Frau, die trinkt" zum Bestseller werden würde, hatte sich die Familie wohl eher nicht träumen lassen. 100 Jahre nach seiner Veröffentlichung erscheint das Buch jetzt zum ersten Mal auf Deutsch.. "Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen" hieß der Band, der Peter Bichsel 1964 weit über die Grenzen der Schweiz hinaus berühmt gemacht hat. Wir erinnern an den Schriftsteller, der jetzt mit fast 90 Jahren gestorben ist.
Die norwegische Bestsellerautorin Maja Lunde führt uns in ihrem neuen Roman "Für immer" vor, dass in der Literatur nichts unmöglich ist. Darin steht die Zeit still: die Menschen sind unsterblich. Doch was als Traum beginnt, wird bald zu einem bedrohlichen Szenario. "Unmöglich" scheinen auch die Begegnungen, von denen der Historiker Andreas Hoffmann erzählt. Sein Buch handelt von Menschen unterschiedlichster, oft konträrer Lebenseinstellungen, die miteinander ins Gespräch kamen. Im Gespräch in dieser Sendung außerdem: Volker Kutscher über "Die Allee", Florentine Anders Roman über die Familie ihres Großvaters, des DDR-Stararchitekten Hermann Henselmann. Und Anne-Dore Krohn, die den neuen Roman von Chimamanda Ngozi Adichie vorstellt: "Dream Count".
Als politische Autorin hat sich die israelische Schriftstellerin Zeruya Shalev nie bezeichnet, eher erzählen ihre Romane Universelles über die Liebe. Literaturagentin Anne-Dore Kron hat Zeruya Shalev getroffen und mit ihr über ihren Protest gegen Netanjahu, über Trauerreden und die Not im Schutzraum gesprochen. Und über ihre Unfähigkeit in diesen Zeiten weiter Romane zu schreiben. Ein weiterer Gast der Literaturagenten: Dmitrij Kapitelman ist in Kiew geboren, kam mit 8 Jahren mit seinen Eltern als sogenannter "Kontingentflüchtling" nach Deutschland und musste anlässlich des russischen Angriffs auf die Ukraine miterleben, wie seine Mutter der russischen Propaganda auf den Leim ging. Der Krieg sorgte für einen immer größer werdenden Riss in der eigenen Familie und zu dem Entschluss, nach Kiew zu reisen und sich selbst ein Bild zu machen. Seine grotesken, komischen und tief berührenden Erfahrungen sind in Kapitelmans Roman "Russische Spezialitäten" eingeflossen. Und: Schönheit ist bekanntlich relativ. Königin Elisabeth I. zum Beispiel rasierte und epilierte sich den Haaransatz, um eine hohe Stirn zu betonen, und sie trug Bleiweiß, um vornehm entrückt zu wirken. Und den Heroin-Schick gab es schon hundert Jahre vorher als Tuberkulose-Kranke als schön galten – woher wir das wissen? Aus Rabea Weihsers "Wie wir schön wurden: Eine Biografie des Gesichts".
Neue Filme als erstes sehen, das bietet die Berlinale. Von neuen Büchern als erstes hören, können Sie bei den Literaturagenten: Wie den Roman "Der Junge" von Fernando Aramburu, dessen Buch "Patria" als HBO-Serie adaptiert wurde. Bilder, von denen jeder Trickfilmer träumen würde, zeichnete Edward Gorey - die Literaturagenten stellen den "Großmeister des Kuriosen" vor. Und dazu einen Großmeister des Hasstextes: Rolf Dieter-Brinkmann, der einen ganz neuen Ton in die deutsche Literatur der 1970er Jahre brachte. Zu seinem 50. Todestag erscheint die erste Biographie über ihn und eine erweiterte Neuausgabe seines legendären Gedichtbandes "Westwärts 1 & 2". Und Berlinale gibt es dann schließlich auch: Wir stellen das Programm "Books at Berlinale" vor.
Die Literaturagenten öffnen sich heute der Welt und üben sich in einer Kunst, die viele nicht mehr beherrschen - in der Kunst des Zuhörens. Außerdem geht es ab in die Zeitmaschine mit Jonas Lüscher und seinem Roman "Verzauberte Vorsehung", in dem er das Verhältnis von Mensch und Technik auslotet. Und in der Buchbehandlung suchen wir einen Roman, der nach einer Krise wieder Zuversicht und Humor ins Leben bringt.
Die Literaturagenten werfen einen schwarzhumorigen Blick in die Zukunft mit Timur Vermes neuem Buch "Briefe von morgen, die wir gern gestern schon gelesen hätten". Mit Ursula Krechels Roman "Sehr geehrte Frau Ministerin" reisen wir dann in die Vergangenheit und finden heraus, was die römische Kaiserin Agrippina mit den Frauen von heute zu tun hat. Und in der Buchbehandlung machen wir uns auf die Suche nach einem anspruchsvollen Liebesroman, der uns auf einer Seite zum Lachen und zum Heulen bringen kann.
Die Literaturagenten setzen die rosarote Brille auf und lassen sich von der Farbe Rosa verzaubern. Außerdem tauchen wir mit dem Roman "Only Margo" von Rufi Thorpe in die verborgene Welt der Erotikplattform Onlyfans ein, auf der eine alleinerziehende Mutter zum Internetstar wird. Und in der Buchbehandlung machen wir uns auf die Suche nach Geschichten, die keine Geschichtchen sind.
Die Literaturagenten träumen gemeinsam mit Julia Schoch den wilden Traum von einem Leben als Schriftstellerin und stellen die Frage: Ist es möglich zu schreiben und dennoch glücklich zu werden? Außerdem lernen wir zum 125. Geburtstag von Rainer Maria Rilke unbekannte Seiten des Dichters kennen. Und in der Buchbehandlung lassen wir uns einen Bären aufbinden.
Wie kommt das Lügen ins Leben? Gibt es Besen, mit denen sich das Böse vor die Türe kehren lässt? Mit der einen Hand nähen, mit der anderen Hand rauchen – geht das? Vertrackte Fragen, märchenhafte Details, drohendes Unglück – die Literaturagenten sprechen mit Monika Helfer über die Elemente, aus denen sie ihre Geschichten komponiert. Dazu: Ein Gespräch über den von der "Konferenz der Vögel" inspirierten Comic "Ahmadjan und der Wiedehopf" und die Vorstellung neuer Bücher von Tove Ditlevsen und Simone Buchholz.
Die Literaturagenten beginnen das neue Jahr trotz andauernder Meldungen über Krieg und Krisen mit radikaler Zuversicht. Mit Stefanie Jaksch machen wir uns auf die Suche nach dem Licht in dunklen Zeiten. Außerdem stellen wir einen durch und durch verschneiten Roman vor, der aber alles andere als ein liebliches Wintermärchen ist: "Unmöglicher Abschied" von Literaturnobelpreisträgerin Han Kang. Und in der Buchbehandlung lösen wir einen Kriminalfall, in dem grüne Haare den Täter überführen.
Im Jahresrückblick packen die Literaturagenten die schönsten literarischen Begegnungen und Interviews und die lustigsten und die bewegendsten Momente bei Lesungen aus. Mit dabei Salman Rushdie, Rachel Eliza Griffith, Hape Kerkeling, Barbara Kingsolver, Elif Shafak, Herbert Grönemeyer, Robert Stadlober, Richard Powers, Joachim Meyerhoff, Theresia Enzensberger und Rocko Schamoni.
Weihnachtszeit heißt: kaum Zeit zu lesen. Deshalb gibt es in den Literaturagenten heute u.a. Literatur in hohen Dosen: Bücher mit kurzen Texten, die es umso mehr in sich haben, wie die "Mikroromane" von Christoph Ransmayr, die unnachahmlichen Kurztexte von Lydia Davis und das "Winterbuch der Liebe" von Dora Kaprálová.
Was schenken zu Weihnachten? Natürlich: Bücher! Aber welche? Es ist einer der liebsten Termine der Literaturagenten: Jedes Jahr, kurz vor Weihnachten, laden wir zwei Buchhändler:innen ein, damit sie Weihnachtsbuchempfehlungen geben. Und zwar maßgeschneiderte. Für Sie! Sie schreiben/mailen uns, oder erzählen am Telefon, für wen Sie ein Buch suchen, was die Vorlieben, Hobbys, Interessen, Lesegewohnheiten des zu beschenken Menschen sind – wir wissen fachkundigen Rat; und schon liegen die richtigen Bücher auf dem Gabentisch. Dafür sorgen auch in diesem Jahr einmal mehr: Eleni Efthimiou von der Buchhandlung "Leseglück" in der Ohlauer Straße in Berlin-Kreuzberg und Kurt von Hammerstein, von der Buchhandlung "Hundt, Hammer, Stein" in der Alten Schönhauser Straße in Berlin-Mitte.
Wir begleiten zwei Ex-Junkies auf ihrer rätselhaften Suche nach einem Meteoriten durch die uckermärkische Pampa, folgen ihnen durch das prekäre Neukölln bis hin nach Usedom und sprechen mit ihrem Schöpfer, dem Berliner Schriftsteller Sven Pfizenmaier, über die geheime Macht von Meteoriten und Zahnärzten, über Suchtdruck und Sinnsuche. Gemeinsam mit dem Schriftsteller Marcel Beyer, erinnern wir uns an die österreichische Schriftstellerin Friederike Mayröcker, die vor bald 100 Jahren geboren wurde und auch drei Jahre nach ihrem Tod vielen Lyrikerinnen und Lyrikern ein großes Vorbild ist. Unser Hörer Andreas aus Zittau ist heute zur "Buchbehandlung" bei Thomas Gralla aus dem Buchlokal Pankow und bekommt ein wirkungsvolles Buch gegen den Winterblues empfohlen.
Alle älteren Folgen von Die Literaturagenten sind hier in der Audiothek zu finden.
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Moderation: Gesa Ufer, Thomas Böhm
Eine Produktion von radioeins, Rundfunk Berlin-Brandenburg