Der erste Teil erzählt vom weiblichen Aufbruch in der Kunstgeschichte. Von den Kunsthochschulen ausgeschlossen, erobern Künstlerinnen eigensinnig die Pariser Malsalons, organisieren sich in Künstlerinnenverbänden und emanzipieren sich gar vom Modell zur Künstlerin selbst. Über inspirierende Künstlerinnen wie Berthe Morisot, Suzanne Valadon, Julie Wolfthorn, Helene Funke, Natalja Gontscharowa und Hilma af Klint wird die Kunstgeschichte vom Impressionismus bis zur Abstraktion neu erzählt.
Der zweite Teil stellt Künstlerinnen vor, die selbstbewusst an den Kunstakademien studieren, impulsgebend Künstlergruppen prägen und neue Medien erobern. Doch der Zweite Weltkrieg stürzt Europa in eine tiefe Zäsur, reißt unzählige Künstler ins Vergessen und wirft die beginnende Emanzipation der Frau um Jahrzehnte zurück. Doch Künstlerinnen behaupten sich gegen alle Widerstände und machen Ungleichheit und Geschlechterkonstrukte zum Gegenstand ihrer neuen Kunst.
Obwohl Künstlerinnen bereits in der Vergangenheit auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen arbeiteten, spielen sie in der Kunstgeschichte meist nur eine Nebenrolle. Der Blick auf den europäischen Kunstkanon des 19. und 20. Jahrhunderts ist erschütternd, denn bis heute treten Frauen als stilprägende Ikonen der Kunstgeschichte kaum in Erscheinung, sind unterrepräsentiert in den Sammlungen der Museen und unterbezahlt auf dem Kunstmarkt.
Die Doku-Reihe "Lost Women Art" fragt nach den Mechanismen des Erinnerns sowie des systematischen Vergessens und erzählt in zwei Teilen von visionären Frauen, die kühn und kompromisslos die Kunst ihrer Zeit entscheidend gestaltet haben. Gemeinsam mit Kunsthistorikern, Kuratoren und wegweisenden Institutionen, die für mehr Wahrnehmung der Künstlerinnen kämpfen, erzählt "Lost Women Art" berührende Frauenporträts und damit die Kunstgeschichte neu.
MDR/ARTE | 2021 | 2-teilige Dokumentation je 52 Minuten
Buch und Regie: Susanne Radelhof
Konzept: Eva Rink,Maria Wischnewski
Schnitt: Robert Handrick
Kamera: Thomas Eirich-Schneider
Archivrecherche: Lilly Rinklebe
Redaktion: Matthias Morgenthaler, Suzanne Biermann
Produzentin: Maria Wischnewski
Eine Produktion von KOBERSTEIN FILM im Auftrag vom MDR, Mitteldeutscher Rundfunk in Zusammenarbeit mit ARTE mit Unterstützung der Goethe-Institute London und Paris, der Staatskanzlei Thüringen und des Auswärtigen Amtes