Alles ist bereit für den Frühling – die Zugvögel sind wieder da, die Sonne lässt sich blicken, und man will nur noch eins: nach draußen! Da passt es gut, dass auch ganz viele Chansonneuheiten herausspitzeln: Taufrische Alben von Christophe Mali und von Delphine Maillard werden in dieser Frühlingsfolge des RendezVous Chanson angespielt, dazu weitere aktuelle Musik und Klassiker aus Frankreich. Das Wiedererwachen der Natur inspiriert auch unsere Auswahl von Chansons über sie, über ihre Schönheit und ihre Zerbrechlichkeit. Und wer im Frühling wieder Lust bekommt, auf Konzerte zu gehen, der findet im RendezVous Chanson ein paar Tipps – vielleicht wird das Chanson ja wieder so quirlig wie in der Zeit des Chanson rive-gauche in Saint-Germain-des-Prés? C’est à vous !
Einige würden alles dafür tun, um mal auf dem Podium zu stehen. Manch einer hat auch schon die Dankesliste für seine Siegerrede parat. Andere, wie Georges Brassens, geben gar nichts auf die Lorbeeren der Ehrenlegion. Seine Chansons sind trotzdem ausgezeichnet! In dieser Folge des RendezVous Chanson führen uns frisch gekürte Preisträger der Victoires de la Musique, aber auch von einschlägigen Chansonpreisen, zum Ursprung der Tonträgerindustrie mit Charles Cros und Thomas Alva Edison.
Wie wertvoll Freunde im Leben sind, davon erzählen viele französische Chansons. Axelle Red zum Beispiel geht in „Un ami“ auf die Suche nach so jemandem, der einem in schwierigen Zeiten hilft, wieder klar zu sehen. Freunde sind goldwert – da würde auch Calogero zustimmen, wenn er singt „On est riche que de ses amis”. Aber wo hört die Freundschaft auf? Bei der Frau des besten Freundes? Beim Geld oder bei der Karriere? Im Chansongeschäft gibt es wie in jeder Branche Konkurrenzsituationen, aber häufig auch eine große Solidarität und freundschaftlichen Zusammenhalt unter den Künstlerinnen und Künstlern. Und das führt zu musikalisch vielfältigen Ergebnissen!
… oder steht sie doch in Chansons? Charles Aznavour erzählt in "Je m'voyais déjà" die Geschichte eines hoffnungsvollen jungen Sängers, der seine blühende Zukunft schon vor sich sieht. Aber wie weiß man, ob es dann auch wirklich so kommt? Manch einer wirft da gerne mal einen Blick in die Kristallkugel oder in sein Horoskop. Françoise Hardy hat das Hobby sogar zum Beruf gemacht und war neben ihrer Chansonkarriere als Astrologin tätig! Von Sternen, von Wünschen und vom Schicksal handeln unzählige Chansons. Mal fragend, mal träumerisch, mal ganz sachlich erkunden sie die Möglichkeiten des Morgen.
Briefeschreiben ist im Chanson tatsächlich immer noch Thema. Falsch zugestellte Briefe, die Nachricht aus dem Exil oder die Zeilen an jemanden, den man schon lange nicht mehr gesehen hat, sind wunderbare Inspirationsquellen. Aber auch die gähnende Leere des Briefkastens oder das weiße Blatt Papier bieten Stoff für Chansonautorinnen und -autoren. Auf die Frage, wie sie Chansons schreibe, antwortete Barbara: „comme une lettre“, wie einen Brief. Das erklärt vielleicht die besondere Intimität, die man in ihren Chansons verspürt, als ob Barbara sich direkt an einen selbst wendete. Dass ein Brief etwas Intimes ist, zeigt sich oft auch in der Musik: So wählt Clara Ysé für ihr Chanson „Lettre à M“ auf ihrem aktuellen Album eine ganz schlichte piano-voix-Besetzung.
Masen, der 2024 eins der bestgetexteten Popalben in Deutschland herausgebracht hat, ist ja ein gestandener Künstler (ja kann man auch über 60 sein, wenn man regelmäßig joggt). Beim Joggen gibt er (wie in seinen beliebten Workshops oder im Buch auch) Tipps, wie man und frau gute Lieder schreiben. Gleichzeitig ist er ein gefragter Übertrager und Synchronregisseur - gerne auch für Serien und Filme aus dem Französischen. Doch auch für ihn war die echte Begegnung zwischen den Liedkulturen beim deutsch-französischen SongpoetInnentreffen ein Abenteuer. Als Verstärkung hatte er sich Michael "Kosho" Koschorrek mitgebracht - bekannt von den Söhnen Mannheims.
In der bretonischen Musik ist immer was los - so vielfältig und verschiedenartig, wie sie ist. Derzeit aber gibt es mehrere Gründe, sich etwas näher damit zu befassen: Gesangslegende Gilles Servat hat seinen 80. gefeiert. Gwennyn, die vielleicht wichtigste aktuelle Stimme, aus Quimper, hat gerade ihre Wintertournee in Deutschland absolviert - und hofft darauf, ihr aufwändiges Geschichts- und Geschichten-Spektakel ENEZ auch bei uns aufzufähren. DIE deutschen Bretonen von An Erminig (ein auch familiär verbundenes Trio aus dem Saarland) feiern ein unglaubliches 50jähriges Bandjubiläum. Und - etwas trauriger - einer der wichtigsten Musik, Poeten und Aktivisten der bretonischen Musik, Gabriel Yacoub, hat uns verlassen. Mit Malicorne war er einer der Hauptvertreter der Erneuerung der bretonischen Musik ab den 70er Jahren.
Wenn man alle zusammenzählt, dann kommt man auf über 100 - und das sind nur die, die regelmäßig in alternativen oder auch größeren Chansonzusammenhängen auftreten: Die Enkelinnen von Barbara, Anne Sylvestre oder Véronique Sanson prägen die Chansonzene nachhaltig - die Gleichberechtigung, da ist sie augenfällig - sogar bei einschlägigen Festival. Ab und an kommen diese Damen auch nach Deutschland...
Wenn das heute auch oft dazu dient, die Computer neu zu konfigurien oder das Iphone upzudaten: Das Weihnachtsfest und die Tage zwischen den Jahren sind ein beliebter Familientreff. Und manchmal wird auch gesungen: Hier sind berühmte Chansonleute und ihre trällernden Kinder. Von der Familie Birkin-Gainsbourg über die von Aznavour oder Bécaud bis hin zu den Familien Leclerc (so heißt Julien Clerc nämlich bürgerlich) oder gar van Laeken (aus Belgien – wer da wohl dahinter steckt) – in dieser Folge singen sie alle – manchmal sogar gemeinsam.
Lucien Ginsbrug (1928-1991) war zunächst ein sehr widerständiger Jazz- und Chansonmann in den Cabarets der Rive Gauche, verhinderter Maler - und wurde bald Als Künstler und Provokateur einer der wichtigsten Popmusiker im Nachkriegsfrankreich. Beißendre Humor, Erotik, Subversion und ein unvergleichliches Spiel mit der Sprache machten seine Chansons so wirksam - auch heute noch. Das Brussels Jazz Orchestra tourt mit einem Hommage-Programm - die legendären Chansons von Gainsbourg sind zu hören in sehr ungewohntem, neuem Programm - mit der glasklaren Stimme von Camille Bertault.
Von hartem Country bis hin zur Trad-Folk-Ballade, von der Fêtenmusik (das „réveillon“ ist eine Party) bis zur Parodie ist alles dabei – einen kleinen Überblick gibt es in dieser Folge. Und noch ein bisschen mehr von drüben überm Atlantik. Das erste Weihnachtslied von Vladimir Korneev wird auch dabei sein, Maryse Letarte mit ihrem unsterblichen Boom Boom, ein korsischer Weihnachtsbaum und ein Lothringer Père Noël in der weiterhin einzigen deutschen Radiosendung für die ganze Vielfalt der frankophonen Musik. Auch einige Klassiker dürfen nicht fehlen - und damit verabschiedet sich das RendezVous Chanson in die Jahreswechselpause.
Rechtzeitig vor Weihnachten: Neuheiten aus dem frankophonen Chanson – vielleicht auch was für unter das Bäumchen. Die Franko-Britin (gibt es sowas) Emily Loizeau ist nicht nur gut, sondern auch nett, Louis Chedid ist beides und altgedient und inzwischen einer der wichtigsten der 80er/90er-Generation im Popchanson. Rosier sind eine Frauenduo aus Montréal, das gerade zaghaft nach Deutschland winkt, Noëmi Waysfeld huldigt ihrem Vorbild Barbara mit Klängen zwischen Klezmer und Klassik. Rockig kommen die gegerbten Rodolphe Burger und Daran daher, balkanig La Tournée du Bocal oder The Bongo Hop - aus Berlin Katharine Mehrling - und filosofisch Clara Ysé.
Ronja Maltzahn ist Welt(musik)bürgerin. Zusammen mit ihrem Lebens- und Kunstpartner Federico Marina fährt sie durch Europa – trägt ihre Musik aber auch noch weiter: So war sie jetzt schon zum zweiten Mal in Südkorea – diesmal beim UNESCO Global Music Forum. Ronja kommt aus Hannover ursprünglich, und hat ja auch mit ihren Dreadlocks kleine Schlagzeilen gemacht: Seltsame Veranstalter hatten sie nämlich deswegen ausgeladen, das sei kulturelle Aneignung. Zu dieser oft etwas abstrusen Diskussion kann man und frau stehen, wie sie wollen, die sehr poetische, nachdenkliche und innerliche Musik von Ronja Maltzahn steht auf jeden Fall drüber. Im Konzert auch ein kleines Interview, das die Künstlerin besser vorstellt.
Für Edith Piaf schrieb er unsterbliche Lieder wie "Non je ne regrette rien", "Les Amants" oder "Mon Dieu" - die weltweit bekannt sind. Auch mit Dalida oder Barbra Streisand arbeitete der immer sehr großzügige Charles Dumont, auch mit Leuten aus Deutschland. Charles Dumont – mit 95 Jahre gerade gestorben – Komponist unsterblicher Chansons - und einer der letzten Zeugen einer untergegangenen Epoche. Edith Piaf hat er am Ende ihrer Karriere mit pathetischen, großartigen Liedern versorgt – „Non je ne regrette rien“, das stammt von ihm und Michel Vaucaire. Dumont war bis ins hohe Alter ein sehr zugänglicher Mensch, 2013 war er zum Beispiel bei einem Piaf-Tribute-Konzert in New York – und lobte dort die junge ZAZ über den grünen Klee. Auch nicht selbstverständlich für eine solche Größe. Natürlich gibt es in dieser Folge DAS Lied, das ihm selbst den Durchbruch verschafft hat – und Edith Piaf ein Chanson als Testament verschafft hat: „Non je ne regrette rien“.
Michael Jacksons Welterfolg, eine Soulversion des Halleluja von Händel - und unzählige Aufnahmen: das überbordernde Musikschaffen von Quincy Jones. Schon 1957 ging Quincy Jones nach Paris, wo er unter anderem bei Nadia Boulanger seine musikalischen Studien vertiefte. Dazu gibt es eine feine Anekdote in dieser Folge. Nebenher begann er als Produzent für Musikmogul Eddy Barclay zu arbeiten, wo er unter anderem Jacques Brel, Henri Salvador und Charles Aznavour betreute, aber auch Auslandsaufnahmen von Billy Eckstine oder Sarah Vaughan produzierte. Auch ging er mit verschiedenen Jazz-Bands in Europa auf Tournee. Im Juni 1958 leitete er das Orchester für ein Galakonzert von Frank Sinatra in Monaco, der Auftakt für eine langjährige Zusammenarbeit mit diesem Künstler. 1961 gings zurück in die Staaten - doch Frankreich blieb, bis zu seinem letzten legendären Konzert 2019 in der Accor-Arena immer seine Herzensheimat. Insbesondere das Vokalensemble Double Six trug dazu bei, dass er auch im Chanson eine nicht verwischbare Spur hinterließ.
Alle älteren Folgen von RendezVous Chanson sind hier in der Audiothek zu finden.
SR | seit 2021 | jeden zweiten, dritten und vierten Dienstag des Monats
Eine Produktion von SR 2 KulturRadio, Saarländischer Rundfunk