"Das machen wir irgendwann mal anders!" So beschreibt Sandra Hüller in der Doku "Sandra Hüllers Geheimnis" einen Moment als Kindergartenkind, als sie in einer Schneewittchen-Aufführung einen Zwerg spielt. Damals ahnte vermutlich niemand, was in ihrem Kopf vorging. Noch weniger vermutlich, dass sie 2025 in Halle/Saale am Neuen Theater (nt) tatsächlich das Regie-Zepter schwingen würde: "Penthesile:a:s" von Autorin Marie Delasser ist Hüllers Regiedebüt, das sich an Kleists Antiken-Drama "Pentesilea" anlehnt. Oder wie das nt in Halle ankündigt: "Ein wuchtiges, sprachgewaltiges Epos, das sich den klassischen Rollenbildern widersetzt und neue Blickwinkel eröffnet". Sämtliche Aufführungen für Sandra Hüllers Regie-Debüt sind Wochen vor der Premiere Mitte April 2025 ausverkauft.
Keine deutsche Schauspielerin der vergangenen Jahrzehnte wird international so gefeiert wie Sandra Hüller. Für ihre Rolle in "Anatomie eines Falls" erhält sie 2024 eine Oscarnominierung. Mit Mitte 40 steht sie am vorläufigen Zenit ihrer Karriere. In der Doku berichtet sie von dem Abenteuer der Schauspielerei. Ein faszinierender Blick auf eine Ausnahmekünstlerin.
Einerseits ist sie die weltbekannte, gefeierte Schauspielerin, die in Filmen genau wie auf Theaterbühnen stets alles gibt, die Abgründe ihrer Figuren auslotet, deren Persönlichkeiten lebt. Andererseits? Schwer zu sagen, Sandra Hüller hütet Sandra Hüller bestens, auch wenn Doku-Autorin Antje Harries Sandra Hüller schon seit ihren Anfängen in der Filmbranche begleitet. Hüller selbst plaudert aus dem Nähkästcehn, andererseits kommen Weggefährten zu Wort wie die Regisseure Justine Triet und Hans-Christian Schmid, der Theaterpionier Johan Simons und der Schauspieler Jens Harzer.
Die Doku zeigt, wie Sandra Hüller in Filmen und auf Bühnen das Publikum in verschiedensten Rollen überrascht und gleichermaßen beeindruckt. Sie lässt Sandra Hüller über ihre Arbeit und das Leben als Schauspielerin erzählen, so unaufgeregt und unprätentiös, als wäre das ein ganz normaler Beruf und ein Leben wie jedes andere auch. Davon könnte man sich glatt einlullen lassen, wie immer, wenn man Sandra Hüller in einer ihrer Rollen sieht. Zum Glück schneidet die Doku-Autorin immer wieder Aufnahmen von frühen Auftritten und unbekanntes Archivmaterial von großen Theater- und Filmrollen in dieses Film-Porträt. Die Aufnahmen zeigen eine Ausnahmekünstlerin, deren Arbeit, Alltag und Leben alles andere als gewöhnlich ist.
2024 wurde Sandra Hüller von der National Society of Film Critics für ihre Rollen in "Anatomie eines Falls" und "The Zone of Interest" als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Für ihre Rolle in "Anatomie eines Falls" wurde sie zudem mit dem César geehrt, sowie für den Golden Globe und den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert. Schon 2017 war der Film "Toni Erdmann" mit Hüller in der Hauptrolle für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert.
BR | 2024 | 53 Min.
Buch und Regie: Antje Harries
Redaktion: Sylvia Griss (BR/ARTE)
Eine Produktion des BR, Bayerischer Rundfunk, in Zusammenarbeit mit ARTE