Cécile Schortmann spricht mit dem Preisträger Tonio Schachinger über sein Buch "Echtzeitalter". 0Ein elitäres Wiener Internat in der Sommerresidenz der Habsburger: Was lässt sich hier lernen? Till Kokordas Leidenschaft ist das Gamen.
Im Gespräch schildert Schachinger seine Endrücke von der Preisverleihung und spricht über die Arbeit mit seiner Frau Margit Mössmer an seinem Roman "Echtzeitalter".
Der Roman spielt in Wien, in der traditionsreichen Wiener Eliteschule "Marianum", einem Internat, in dem die Kinder aus besserem Hause schon früh unterrichtet, aber auch gedrillt und gequält werden. Besonders hart erwischt es den anfangs noch kleinen, rothaarigen Till, der sich bald in Computerspiele flüchtet.
Im Roman "Echtzeitalter" geht es um einen Konflikt zwischen den Generationen, den Schachinger humorvoll als einen zwischen analoger und digitaler Welt erzählt, ohne zu vereinfachen. Da ist etwa Tills Mutter, die irgendwann ihre Schlafstörungen mit dem Handyspiel "Candy Crush" kuriert.
Schon zum zweiten Mal stand er auf der Shortlist, jetzt ist er der Gewinner: Der österreichische Autor Tonio Schachinger erhält den Deutschen Buchpreis 2023 für seinen Roman "Echtzeitalter", so der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montag auf einer feierlichen Zeremonie im Frankfurter Römer.
"Auf den ersten Blick ist 'Echtzeitalter' ein Schulroman", begründete die Jury ihre Wahl. Auf den zweiten Blick sei das Buch viel mehr als das. Es sei ein Gesellschaftsroman. "Mit feinsinniger Ironie spiegelt Schachinger die politischen und sozialen Verhältnisse der Gegenwart: Aus gebildeten Zöglingen spricht die rohe Gewalt. Die Welt der Computerspiele bietet einen Ort der Fantasie und Freiheit", heißt es weiter.
Am 16. Oktober 2023 kurz vor 19 Uhr war's soweit: Im Frankfurter Römer wurde verkündet, wer dieses Jahr den Deutschen Buchpreis bekommt. Die Jury hat sich für den Osterreicher Tonio Schachinger und seinen Roman "Echtzeitalter" entschieden. Davon wussten die Tageszeitungen zwar noch nichts - Redaktionsschluss! - aber natürlich blieb dieser wohl wichtigste Literaturpreis nicht unkommentiert. Schon Sekunden nach Bekanntgabe wurden die ersten Tweets abgesetzt.
Tonio Schachinger wurde 1992 in Neu-Delhi/Indien als Sohn eines Diplomaten und einer mexikanisch-ecuadorianischen Mutter geboren. Die Familie pendelte zunächst zwischen Nicaragua und Wien, wo Schachinger nach der Scheidung der Eltern blieb, zur Schule ging und studierte.
Als Autor wurde er 2019 durch seinen Debütroman "Nicht wie ihr" bekannt. Es ist die Geschichte eines vermögenden österreichischen Profifußballspielers, der eine Affäre mit der Jugendliebe beginnt. Der Roman schaffte es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Der Jury gefielen besonders die "Wiener Milieusprache und herrlichen Fußballmetaphern sowie die rotzige, witzige und originelle Erzählerstimme".